Heidenheim I

by redhairedprince

So, die ersten zwei Wochen in Heidenheim sind fast rum und wir sind fast durch’s Stück durch !

tumblr_lmmwefBGEO1qhndw3

Wie schon vom ersten Kennenlernen zu erwarten war, sind die Kollegen hier einfach reizend, die musikalishe Arbeit ist spannend und aufregend und die Inszenierung meiner Meinung nach hervorragend. Hermann Schneider ist so einer der Regiesseure, die mit einem klaren Bild von dem was sie wollen in die Probe kommen, nur um dann sich spontan entwickelnde Abweichungen – oder Unterstreichungen – des ursprünglichen Konzepts nicht nur zu akzeptieren, sondern zu umarmen.

Inzwischen ist noch Martine Reyners – die Leonore – zu uns gestoßen und man kann dieses Zauberwesen nur bewundern.

Nicht nur, daß sie die unglaublich anstrengende Arbeit an der Leonore körperlich und stimmlich meistert, sie fährt auch mal einfach ein Wochenende nach Belgien zurück um drei Vorstellungen Manon Lescaut zu singen. Gestern Abend hat sie dann noch – unter schwersten Bedingungen (prolige Leute) – Helden am Herd hier absolviert, und das mit einer Souveränität und einem Charme, der Seinesgleichen sucht.

Aber auch alle anderen lieben Kollegen seien hier namentlich erwähnt, da dies ein Supercast ist: Die entzückende und morgenkaffeeteilende Antonia Bourvé als Marzelline, der die stimmlich und physisch schwierigsten Felsen leicht erklimmende Christoph Wittmann, der komplimentärste aller Kollegen und dämonische Pizzaro in der Person von Johannes von Duisburg und der Rocco von Marek Gastecki, dessen frappierende Ähnlichkeit mit Jack Nicholson dem Rocco eine ganz neue Note gibt. Da wir noch nicht am Ende angekommen sind habe ich die Minister und die Gefangenen noch nicht erwähnt, kommt noch !

Die Proben laufen unter dem makellosen Klavierspiel von Karina Sabac und dem eifrigen Dirigat von Gerd Müller-Lorenz flüssig durch, was beim Beethoven nicht immer der Fall ist.  Organisatorisch läuft’s wegen Georg Simonsky und Maik Wendrich auch reibungslos, die nimmermüde Ingeborg Buchstor sorgt für’s leibliche Wohl.

Da ich hier gerade am “Credits” geben bin, sollte auch die unermüdliche Arbet vom Festspielbetriebsleiter – Oliver von Fürich – unglaublich gelobt werden. Diese ganze liebevolle Behandlung der Künstler hier, und das damit verbundene Gefühl von großartiger Entfaltungsmöglichkeit liegt in seiner Fanatie für die Festspiele einerseits, andrerseits in seiner Menschenfreundlichkeit begründet. Wenn dieser Fidelio ein großer Erfolg wird und davon bin ich überzeugt dann ist sein Teil daran riesengroß.Marcus Bosch ist ein Zauberer – menschlich wie musikalisch.

IMG_0339

Inzwischen hat auch meine Stimme wieder in meinen Hals gefunden und die Proben machen wieder Spaß.

Auch der Sport ist wieder Teil meines Lebens, das ist ja nun auch dringend notwendig, da die physische Belastung, die in den nächsten Wochen auf mich zukommt mal wieder getrost als Monstertour bezeichnet werden kann. Bis zum Samstag wollen wir mit dem Stück durchsein, dann pack ich meine Koffer und fahre zum Geburtstag meines besten Freundes nach München, nur um dann am Sonntag Morgen nach Hannover zur Götterdämmerungspremiere zu fahren (an dieser Stelle den Kollegen schonmal ein herzliches TOI TOI TOI !). Dann beginnen die Wiederaufnahmeproben zu Walküre … bis zum Mittwoch, den 22… da ist die erste Vorstellung. Am Morgen danach dann in’s Auto und nach Heidenheim gefetzt – dort dann Probe Donnerstag Abend, den ganzen Freitag und Samstag morgen … wieder ab in’s Auto, nach Hannover zurückgefahren und am Sonntag die zweite Walküre gesungen. Dann am nächsten Morgen wieder in’s Auto und nach Nürnberg zur Bühnenorchesterprobe … hoffentlich wird das nicht so anstrengend wie es klingt ….