Was waren das für tolle Wochen ?

by redhairedprince

Ich blicke auf die letzten fünf Wochen meines beruflichen Lebens zurück und empfinde sie als mit die beste Zeit, seit ich zu singen begonnen habe.

In Heidenheim und in Hannover haben die Kollegen und ich einige künstlerische Momente erzeugt und erleben dürfen, die das normale Maß an Intensität einfach überschritten haben. Kann ich das eigentlich von meiner Perspektive aus beurteilen ? Naja, dann will ich mal erzählen.

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Wie erwartet war die Wiederaufnahmenprobezeit in Hannover nicht gerade einfach. Sie schloß sich dem Probenabschluß in Heidenheim an, der es schon in sich hatte. Hermann Schneider wollte die Oper unbedingt noch durchinszenieren und die Heidenheimer wollten uns am Samstag, den 11. Juni vormittags um 10:00 noch in der Orgelmusik zum Markttag hören. Also … Konzert um 10:00, dann Probe um 11:00 bis 14:30 … dann ab in’s Auto und nach München gefahren. Geburtstag des besten Freundes bis in die Puppen gefeiert, ab in’s Auto, nach Hannover gefahren und um 16:00 Uhr unglaubliche … unglaubliche Premiere der Götterdämmerung angschaut. Bravo über Bravo an die Kollegen und Barrie Kosky – ich fand’s toll ! Auf der Premierenfeier einigermaßen brav geblieben und am nächsten (Pfingstmon)tag einen wunderschönen Kollegenausflug gemacht mit anschließendem Dinner und einem tollen Wein.

Der Dienstag gestaltete sich noch etwas langsam in Bezug auf die Proben, aber am Mittwoch ging’s richtig los und am Freitag war’s auch schon wieder vorbei. Über’s Wochenende dann die Mutter in Hamburg besucht und am Montag in zwei Bühenendproben durch’s Stück gebrettert. Dienstag brav geruht und Mittwoch vor leider viel zu wenig Publikum eine ordentliche bis gute Vorstellung abgeliefert. Daß technisch alles gut lief,

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empfinde ich bis heute als Wunder. Dann nach der Vorstellung noch in der Nacht nach Heidenheim gefahren, das bei meiner Ankunft gegen drei Uhr morgens nur als sturmverwüstet – mit vielen umgefallenen Bäumen auf dem Hügel – bezeichnet werden kann.

Pünktlich um 14:00 Uhr mit Proben begonnen und bis zur Abfahrt zur Sonntagsvorstellung Walküre am Samstag brav, intensiv und anstrengend geprobt. Also wieder zurück nach Hannover und am Sonntag unvermutet in eine Sondersituation geschlittert.

Im ersten Akt Walküre ist so eine künstlerische Gesamtatmosphäre entstanden, wie sie einem in diesem Beruf zwar manchmal widerfährt – aber selten und immer unerwartet. Aus meiner Perspektive war das so: ich habe während des Aktes immer wieder bemerkt, daß Kelly (God – die Sieglinde) unheimlich gut gesungen hat – ansonsten kann ich mich wirklich an nichts genau erinnern. Der erste Akt Walküre endet mit einem deutlichen musikalischen Schlag, nach dem normalerweise der Applaus losbricht und bei uns die Hektik ausbricht, da wir uns für den Pausenvorhang säubern und aufstellen müssen. Diesmal blieb es nach dem letzten Schlag totenstill…… erst nach einigen Sekunden (gefühlte Ewigkeit) brach er los und wir hatten gar keine Zeit uns d’rüber zu wundern, wegen angesprochener Hektik. Dann gehen wir drei, Kelly,  Albert Pesendorfer – der großartige Hunding –  und ich vor den Vorhang und werden mit einem Donnergetöse empfangen. Ich habe noch nie solchen Applaus bekommen und das – man muß schon sagen – begeisterte Geschrei des Publikums hat uns die Tränen in die Augen getrieben. Wir sind ewig draußen gestanden – was für ein unglaubliches Gefühl. Die ganze Vorstellung war toll und der Abend danach mit lieben Freunden vom Theater Oldenburg, meiner Mutter, meiner Schwester und Kollegen aus Hannover und Lübeck ewig zusammengesessen … alles natürlich ein bischen auf dem Vorstellungshigh, weswegen ich auch a bisserl viel getrunken haben mag.

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Am nächsten Morgen mit dem seltsamsten Gefühl erwacht, ab in’s Auto und zurück nach Heidenheim, wo ja die Bühnenorchesterprobe auf mich wartete.

Die auch noch ganz ordentlich absolviert, aber ich hab’ schon gemerkt, daß was nicht normal ist. Die nächsen eineinhalb Tage bin ich dann wie in einer Trance gewandelt, ich glaube ich war am Rande der totalen Erschöpfung.

Dann ging’s aber wieder – war ja auch Zeit, denn es war Zeit für die Endproben. Die Woche über noch ein bischen an den Details getüftelt, am Wochenende war meine liebe Ehefrau da und dann am Sonntag hinein in die Klavierhauptprobe. Diese Probe ist im Musiktheater das, was sich beim Schauspiel anschaulicher AmA nennt … Alles mit Allem. Zum erstenmal also mit Kostüm, Licht und Maske und dies ist für gewöhnlich die längste und anstrengenste Probe einer Produktion. Warum sollte dies diesmal auch anders sein ? Wir waren alle schön müde, aber Montag war frei. Mußte er auch sein, denn Dienstag waren noch zwei Bühnenorchesterproben am Mittwoch Hauptprobe Orchester und am Donnerstag Generalprobe. Freitag dann Premiere … alles barfuß.

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Die gelang sehr gut, vor allem angesichts unserer Müdigkeit, die Atmosphäre war bezaubernd, auch wenn ich zugeben muß, daß die wetterbedingte Unterbrechung für mich ein bischen envervierend waren. Danach eine schöne Premierenfeier, trotz offiziellem Teil schön locker und freundlich, weswegen der nächste Tag mit Schwager, Nichte und Ehefrau sich auch entspannt und erfolgreich anfühlte.

Das mußte er auch, am Sonntag war ja schon wieder die zweite Vorstellung … prompt drinnen im Ausweichspielort, denn das Wetter ließ uns jetzt entgültig im Stich. Das war härter als vermutet und am Montag habe ich – nicht ohne beträchtliche Freude – das Auto beladen und bin zurück nachhause gefahren. Wir haben am Sonntag noch eine tolle Kritik für die Premiere in der Lokalzeitung bekommen – wart’ ma mal bis September, bis die Opernzeitschriften sich über uns auslassen werden.

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Jetzt gilt halt nur noch der seltsame Rhytmus des wochenendlichen Hin- und herpendelns zwischen München und Heidenheim für die Vorstellungen. Die nächsten Zwei Wochen werden in dieser Hinsicht noch wüscht, mit einer morgigen Fahrt nach Bayreuth zur Lehrerin und zur Generalprobe des Tannhäuser dort, dann Vorstellungen am Freitag und Samstag, besucht von der Mutter, zurück nach München, Geschenke kaufen und Geburtstagstorte für meine Frau backen, zurück nach Heidenheim, Vorstellung am Freitag, offizieller Derenierenfeier danach … bei der wir brav sein müssen, denn die richtige Derniere ist natürlich erst Samstag, zu der die Frau, die besten Freunde und eine liebe Kollegin kommen und hoffentlich wird nachher noch lustig gefeiert…. Saisonendbericht kommt dann nach Spielzeitende, Montag den 1. August … bis dann, meine Lieben !